Seetörn 1993:
Kirchmöser - Rotterdam - rund Schottland - Hamburg - Kirchmöser

23.05.03
13.30 Uhr Kirchmöser Abfahrt ESVK (Crew: Wolfgang, Igel, Achim)
Schleusen: Wusterwitz - Parey Niegripp - Rothensee
Entfernungen: Kirchmöser - Niegripp 56 km, Rothensee - Elbe 7 km, Rothensee - Abstiegskanal 5 km

24.05.03
Rothensee - Mittelland-Kanal
Im Mittelland-Kanal übernachtet. Der Mittelland-Kanal ist 320 km lang und hat 2 Schleusen (Sülfeld und Anderten).

25.05.03
Mittelland-Kanal - Dortmund-Ems-Kanal, Wesel-Datteln-Kanal bis 15 km vor dem Rhein

26.05.03
Dortmund-Ems-Kanal 86 km, 1 Schleuse in Münster,
Wesel-Datteln-Kanal 60 km, 6 Schleusen (Friedrichsfeld, Hünxe, Dorsten, Flörsheim, Alsen, Datteln)

27.05.03
Den Rhein abwärts bis Rotterdam.

28.05.03
Ruhetag in Rotterdam mit bescheidener Stadtbesichtigung, Tanken und Mast stellen.

29.05.03 (Himmelfahrt) bis 02.06.03
Achim verlässt nach dem Frühstück das Schiff, um mit dem Zug nach Hause zu fahren und "Antares" beginnt die Überfahrt (Crew: Wolfgang und Igel).
Nachdem wir Rotterdam verlassen haben, hatten wir die ersten 2 Tage und Nächte schönes Wetter und Windstärken von 3 bis 4 Beaufort. Trotz des Sonnenscheins am Tage waren aber lange Hosen und Pullover angesagt. Die Nächte wurden im 2-Stunden-Rhythmus durchgezogen. Nach der ersten Nacht machten sich die ersten Anzeichen von Seekrankheit bei uns bemerkbar. In den nächsten 2 Tagen lag ich (Igel) öfters wie ein "Häufchen Unglück" am Kiel unter dem Tisch; zum Glück brauchte ich aber keinen Eimer oder dergleichen, was Wolfgangs größte Sorge war.
In der dritten Nacht zog auch noch ein Gewitter auf, worauf wir vorsorglich die Segel geborgen haben. Nach dem Gewitter, in dessen Zentrum wir aber nicht gelegen haben, waren Wellen, Wind und Regen so stark, dass wir aus Sicherheitsgründen die Segel nicht mehr gesetzt haben und bis zum Morgengrauen motort sind.
Als die Sicht besser wurde und der Wind etwas nachließ, wurden die Segel wieder gesetzt. Es dauerte nicht lange und das nächste Hindernis war im Anmarsch: Nebel! Nun galt unsere ganze Aufmerksamkeit irgendwelchen Geräuschen, denn vor Hochseefrachtern und Schnellfähren hatten wir mächtigen Respekt. Von da an machten wir alle 15 Minuten eine Positionsbestimmung und "schlichen" in etwa 20 sm Abstand zur Küste in Richtung der Bucht Moray Firth. Als wir am Eingang dieser Bucht waren, war urplötzlich der Nebel weg und wir konnten wieder aufatmen. Da die Bucht aber 140 km lang ist, ging es wieder die Nacht durch mit teilweise segeln und motoren, so dass wir nach 4 Tagen und Nächten Inverness erreicht haben.
Um in den Yachthafen von Inverness zu gelangen, der schon im Caledonian Kanal liegt, war Wolfgang an den beiden Schleusen die wir noch durchfahren mussten mit seinen Englischkenntnissen gefragt.
Zur Überfahrt von Rotterdam nach Inverness wäre noch nachzutragen, dass Wolfgang zwischendurch der Meinung war ich hätte Halluzinationen als ich plötzlich ausrief: "Ein Wal, ein Wal!" Aber nachdem der "Kumpel" noch zweimal aufgetaucht ist, konnte auch er sich davon überzeugen. In der darauf folgenden Nacht hatte Wolfgang vergeblich versucht mich zu wecken, weil Delphine neben dem Boot einher schwammen und immer wieder unter dem Kiel durchtauchten und ihn im ersten Moment ganz schön erschreckten.

03.06.03
Ruhetag war angesagt, denn Karin wurde abends erwartet. Ihr Flug ging von Berlin via Amsterdam nach Aberdeen. Von Aberdeen musste sie mit dem Zug bis Inverness fahren. Wir hatten also Zeit die Stadt zu inspizieren, endlich Fisch zu essen und Geld zu tauschen (1 Pfund ca. 1,50 €). Als wir uns gerade fertig machten, um Karin vom Zug abzuholen, klopfte es plötzlich am Boot und sie stand schon auf dem Steg. Bei ihrer Anreise hatte alles bestens geklappt, so dass sie früher als erwartet eintraf. Die Freude war groß, der Begrüßungsschnaps zu groß und so wurde noch lange erzählt, denn um 23.00 Uhr war es noch taghell.

04.06.03
Nach dem Duschen und dem Frühstück ging es in die erste Kaskadenschleuse (4 hintereinander) Richtung Loch Ness. Am Eingang von Loch Ness wurden natürlich, trotz Gegenwind, Segel gesetzt, denn wir waren ja nicht hier, um einfach nur durch Loch Ness zu fahren, sondern um die Natur zu genießen, denn Natur ist hier pur. Der Wind ließ nach, wir holten die Segel runter und motorten zur Anlegestelle in der Urquhart Bay. Von hier aus machten wir einen Spaziergang zum Loch Ness Museum und weiter zum Urquhart Castle. Wolfgang hatte uns 2 km versprochen, aber unter 12 km war nichts zu machen - und dann auch noch wie die "Friseure" im Regen. Nach der "kleinen Wanderung" sind wir dann noch bis Fort Augustus an die untere Schleuse gefahren und haben die erste Inspektion noch abends vorgenommen.

05.06.03
Fort Augustus ist ein kleiner Ort und hat eigentlich außer der Kaskadenschleuse (5 Schleusen) kaum etwas zu bieten; von der herrlichen Natur, die den gesamten Caledonian Kanal beherrscht, natürlich abgesehen. Also war Wandertag angesagt. Wir haben einen Berg umwandert von dem man immer wieder herrliche Durchblicke auf das Ende von Loch Ness hatte. Vor Beginn der Wanderung hatten wir aber noch geschleust, um am nächsten Morgen unabhängig von der Schleusenöffnung abfahren zu können.

06.06.03
Abfahrt von Fort Augustus über Loch Oich und Loch Lochy, durch 5 Schleusen verbunden, nach Fort William.

07.06.03
In Fort William war wieder Wandertag angesagt, d.h. die Besteigung des höchsten Berges von England, den Ben Nevis (4200 Fuß = 1344 m). Da von vornherein klar war, dass die Besteigung nicht einfach so aus dem Handgelenk zu machen ist, wollte Karin an diesem Tag in der Stadt "shoppen", Karten an die Lieben daheim schreiben und ein bisschen ausruhen. Wolfgang und ich frohen Mutes los! Leider bekam die Wanderung gleich einen Dämpfer. Im Bus, der uns fast bis zum Fuße des Ben Nevis gefahren hat, habe ich meine Brille liegen lassen.
Jetzt gings 10 km bergauf, fast nur über Geröll. Das letzte Drittel des Berges lag voll in den Wolken, der Wind blies nicht schlecht und die Temperaturen waren nahe 0°. Kurz vor dem Gipfel kamen wir an einigen Schneefeldern vorbei, die in tiefe Schluchten ragten. Am Gipfel angekommen, wollte ich eine SMS schreiben, aber meine Finger waren zu steif, um das Handy zu bedienen. Nachdem wir kurz etwas gegessen und getrunken hatten, machten wir uns wieder auf den Rückweg. Unterwegs wurden die Wolkenfelder immer wieder aufgerissen und gaben einen herrlichen Ausblick ins Tal und die Umgebung frei. Nach ca. 3 ½ Stunden waren wir dann wieder an der Bushaltestelle, leicht benommen, aber doch glücklich.
Am Boot angekommmen, Karin war vom shoppen auch gerade zurück, wurde der Tag ausgewertet und für sehr erfolgreich erklärt.

08.06.03
Punkt 8.00 Uhr die Kaskadenschleusen von Fort William (8 Schleusen) in Angriff genommen (Dauer ca. 1 ½ Stunden). Eine halbe Stunde nach der Kaskadenschleuse kamen noch 2 weitere Schleusen: Corpach und das Loch Linnhe, welches schon zum Nordatlantik gehört. Zum ersten Mal in seinem Leben hat Igel in den Atlantik gepinkelt und dabei ein erhabenes Gefühl gespürt. Eigentlich wollten wir bis Tobermory, aber die Gezeiten waren gegen uns und bis Mitternacht zu motoren, hatten wir keine Lust, also haben wir in Oban Halt gemacht und das erste Mal an einer Mooring festgemacht. Von nun an musste unser Schlauchboot, eigens für diesen Urlaub angeschafft worden, flott gemacht werden. Im Hafen lagen einige herrliche Yachten und vom Pub aus hatten wir beim Guinnes einen tollen Blick.

09.06.03
6.00 Uhr wecken, 7.45 Uhr Ablegen in Richtung Tobermory. Der Wind war erst nicht so nach unserem Geschmack, wurde dann aber besser. Leider war dann die Strecke bis Tobermory zu kurz, um noch Segel zu setzen. Igel war gerade an der Pinne und döste vor sich her, als er ein Geräusch hörte, als ob sich eine Welle überschlug und wunderte sich noch, wo die Welle her kam, als plötzlich ganz nah am Boot ein Delphin aus dem Wasser schoß und auch gleich wieder abtauchte. Vor Schreck war Igel nicht gleich in der Lage, Wolfgang zu rufen und schon tauchten mehrere Delphine immer unter dem Boot durch, um auf der anderen Seite mit zu schwimmen. Als dann Wolfgang und Karin das Schauspiel mit ansahen, wollte Wolfgang noch schnell fotografieren, aber leider kam uns der Gedanke zu spät und die Delphine verschwanden wieder.
In Tobermory angekommen, machten wir uns wieder an einer Mooring fest und Wandern war angesagt. Vorher nahmen wir aber um 14.00 Uhr in einer Whisky-Distillery noch an einer Führung teil, die sehr interessant war.
Nach dem Wandern gings in einen Pub und anschließend wieder mit dem Schlauchboot zur "Antares" zurück, wo Karin ein köstliches Abendmahl bereitete. Danach waren alle satt und müde und selbst Wolfgang ging um 21.00 Uhr (!!!) ins Bett und schnarchte bereits 21.02 Uhr!

10.06.03
6.00 Uhr wecken, gemütlich frühstücken, mit dem Schlauchboot an Land "Eier legen", danach Segel hoch und ab in Richtung Insel Rum (Kinloch) auf den inneren Hebriden. Es hatte zwar schon die ganze Nacht geregnet, aber Wolfgang versprach Wetterbesserung; leider war es nur ein Täuschungsmanöver, denn es regnete den lieben, langen Tag. Trotzdem haben wir die Insel Rum um 14.30 Uhr bei guter Laune und einem kräftigen Regenguss erreicht.
In einer Bucht wurde Anker geworfen (auch das Ankergeschirr wurde eigens für diese Reise verstärkt), Kaffee getrunken und anschließend die "sieben Häuser" des Ortes Kinloch, mit seinem Kinloch Castle und die nähere Umgebung inspiziert.
Zurückgekehrt zum Boot, wurde der Anker noch mal überprüft und für die Nacht für gut befunden, denn die Trosse brummte in einer Klampe, aber der Anker gab nicht nach.

11.06.03
Nachdem es die ganze Nacht gegossen und gepfiffen hat fiel das Aufstehen schwer und kurzzeitig kam der Gedanke auf, noch einen Ruhetag einzulegen, aber dieser Gedanke wurde sofort wieder verworfen, denn wir hatten ja auch einen Törnplan und den wollten wir schon einhalten, wenn es irgendwie ging. Also bei Regen und ziemlich starkem Wind (Fallwinde) wurden die Segel gesetzt, zwei Reffs eingezogen, 18 qm Fock und ab ging die Kiste.
Der Wind blies kräftig und wir kamen den "Berg runter" bis auf über 8 Knoten. Als die Strömung vom Sound of Sleat und von Loch Alsh in einer Enge aufeinander trafen, "kochte" das Wasser und links und rechts, vorn und achtern tauchten Seehunde auf. Wir hatten Befürchtungen, dass wir einen verletzen könnten.
Der Wind ließ plötzlich nach und wir wollten schon motoren, als wir noch von ein paar kräftigen Fallwinden erwischt wurden und doch noch den Rest bis in den Hafen Portree (Isle of Skye) segelten, wo wir an einer Mooring fest machten.
Am Ende kamen für die 55 sm eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 6,5 Knoten heraus, worauf wir doch ziemlich stolz waren und uns darauf einen "Anlegeschnaps" genehmigten.

12.06.03
Ausschlafen und "Bildungstag" war angesagt. Wir wollten mit dem Auto die Sehenswürdigkeiten der Insel Skye abklappern. Mit dem Ausschlafen klappte es ja noch, aber was noch klappte, waren nur noch die Türen der Schapps. Nach dem Frühstück brachte Karin das Boot auf Vordermann, Wolfgang und Igel paddelten mit dem Schlauchboot an Land um Duschen, Trinkwasser etc. zu erkunden. Duschen konnten wir in der Rettungsstation, Trinkwasser war bei den Fischern zu bekommen; selbst Frischfisch konnten wir das erste Mal auf dieser Reise erstehen. Über den Preis möchten wir aber nichts schreiben...
An dieser Stelle sei einmal bemerkt, dass auf der gesamten Reise die Sanitäreinrichtungen sehr "mau" bzw. gar nicht vorhanden waren. Marinas, wie wir sie von all unseren anderen Reisen kennen, gibt es in Schottland nicht und das war für uns schon sehr gewöhnungsbedürftig, ebenso das Liegen an den Moorings (die auch nicht umsonst sind!). Man ist halt doch schon ein wenig verwöhnt! Aber das alles hat der Freude an unserem Urlaub keinen Abbruch getan. Beim zurück paddeln kam die erste Dusche und es sollte nicht die letzte sein. Dann gings ab zum Autoverleih. Beim ersten nichts zu machen, beim zweiten ebenfalls nichts; also Bildung ade! Wandern wurde angesagt; trotz Regen, Regen, Regen...
Der Höhepunkt des Tages stand uns ja noch bevor: das Braten des teuer erstandenen Fischs! Also anstatt weit zu wandern, ruderten wir zu "Antares" rüber und Wolfgang ging in den Vorbereitungen zum Fischbraten auf. Das Wasser lief uns ziemlich lange im Mund zusammen, bis der Augenblick kam, als der "Haufen" gebratenen Schellfisch und Dorsch zum Verzehr "frei gegeben" wurde. Anfangs war Wolfgang der Meinung, dass es viel zu viel Fisch wäre, aber er hatte seinen und unseren Appetit unterschätzt, denn es blieben nur ein paar klägliche Stückchen übrig. Mit so einer "vollen Wanne" wird man natürlich schnell müde und der "Verdauerli" tat das übrige.

13.06.03
6.00 Uhr aufstehen, frühstücken und Wasser bunkern, dann Portree ade! Die erste Aufregung ließ nicht lange auf sich warten. Noch beim Segel setzen blies ein tückischer Fallwind Wolfgangs heiß geliebte Mütze vom Kopf und in die See. "Mann über Bord Manöver" wurde sofort eingeleitet, aber es gab kaum Aussicht auf Rettung des begehrten Stücks, denn sie schwamm nicht mehr auf dem Wasser. Als wir abdrehen wollten, sah ich sie plötzlich doch noch kurz unter der Wasseroberfläche und so konnte das gute Stück doch noch mit dem Bootshaken an Bord geholt werden.
Die Fallwinde machten uns zu schaffen, so dass wir am Ende mit 3 Reffs und 15 qm Fock segelten und trotzdem immer unsere 7 Knoten schafften.
Wenn wir unter 7 Knoten kamen, gingen die 3 Reffs im Groß Wolfgang natürlich gegen die Ehre. Also bei "nur noch" 6 Knoten 1 Reff wieder raus und dann geschah das Schlimmste an diesem Tag! Als Wolfgang das 3. Reff raus nahm sah er nicht, dass sich das Segel hinter dem geöffneten Fallenstopper befand. Beim Ausreffen mit der Winsch riss er das nagelneue Segel ein. Die Stimmung war in diesem Moment natürlich auf "Null".
Trotz dieses Mißgeschicks bekam die Stimmung kurze Zeit später wieder Auftrieb, denn wir sichteten Wale. Eigentlich hatten wir Tabert (äußere Hebriden) als Zielhafen, wo wir vor Anker liegen wollten, aber wir mussten ziemlich hoch ran und die Dünung war sehr stark, so dass das Boot immer wieder sehr hart aufschlug. Nach kurzer Beratung beschlossen wir, den Kurs zu ändern und gleich Stornoway anzulaufen, wo wir eigentlich erst am nächsten Tag sein wollten. Wir machten gute Fahrt und erreichten Stornoway noch gegen 17.00 Uhr.
Bei der Einfahrt in den Hafen begrüßten uns mehrere dicke, fette Seehunde. Im Hafen angelegt, erledigten Karin und Wolfgang den üblichen Kram und anschließend bummelten wir noch ein wenig durch die Stadt und erkundeten schon für den nächsten Tag den Autoverleih, denn die verpatzte Inselrundfahrt auf der Insel Skye sollte auf den Inseln Lewis und Harris nachgeholt werden.

14.06.03
7.00 Uhr wecken, frühstücken und ab zum Autoverleih. Beim ersten Autoverleih war nichts zu machen, aber beim zweiten klappte es dann. Ein fast nagelneuer "Fiat Punto" sollte uns an diesem Tag den Inselrundgang erleichtern. Die ersten Kilometer verlangten Wolfgang höchste Konzentration ab; Igel und Karin mussten mithelfen daran zu denken: links fahren, links fahren, links fahren!
Außerhalb der Stadt wurde Wolfgang mutiger in der Wahl der Geschwindigkeit, obgleich er auch versuchte immer wieder rechts zu schalten, kamen wir mit etwas Reserve zur Bordsteinkante ganz gut vorwärts. Ziel war Port Ness, der nördlichste Ort der Insel Lewis. Von Stornoway an war es eine Fahrt über weit überschaubares, hügeliges Gelände ohne Bäume und Sträucher.
Die ganze Landschaft bestand aus Hochmooren, in denen überall Torf gestochen wurde. Nach dem Stechen wird der Torf aufgestapelt und getrocknet und dann in Plastesäcken nach Hause transportiert, wo er den Insulanern als zusätzliches Brennmaterial dient. Wir haben uns die ganze Sache mal aus der Nähe angesehen und fotografiert. Zu den Torfstechern zu gelangen war gar nicht so einfach, denn wir mussten von Grasbüschel zu Grasbüschel springen und wenn man Pech hatte, wie Wolfgang, landete man in einem Wasserloch. Als wir bereits im Auto saßen und weiter fahren wollten, konnte Wolfgang sich noch nicht losreißen und musste nochmals einen aufgestapelten Haufen Torf fotografieren. Dazu sprang er über einen kleinen Graben und verlor dabei unbemerkt seine Brille. Zum Glück hatte Igel das aus dem Auto heraus gesehen und konnte die Brille wiederfinden. (Zwei Blinde an Bord wären schlimm gewesen, denn Igel hatte seine Brille ja bereits in Fort William im Bus "versetzt".)
Nachdem wir Port Ness erreicht und begutachtet hatten, fuhren wir zum südlichen Teil der Insel, wo eine Verbindung zur Insel Harris besteht, wo wir ja eigentlich einen Tag vorher hin wollten, um dort im Hafen zu ankern. Nun wollten wir uns halt den Ort Tabert von Land aus ansehen. Wir mussten aber feststellen, dass wir nichts verpasst hatten. Also machten wir uns auf den Weg nach Rodel, dem südlichsten Punkt der Insel Harris. Die Fahrt dorthin ging rund um die Insel an einer Küstenstraße entlang, mit wunderbarem Ausblick auf den Atlantik auf der einen Seite und den schroffen Steinfelsen auf der anderen Seite. Auf der Rücktour sind wir quer durch die Felsenlandschaft, wo man eine neue, einspurige Fahrbahn mit Ausweichmöglichkeiten gebaut hatte, gefahren. So manches mal ging uns die "Düse" bei Wolfgangs Fahrstil, der sich voll auf die Bremsen verließ. Wenn bei dem "Fiat Punto" auch nicht alle Gänge zu benutzen waren, die Bremsen waren jedenfalls zuverlässig!
Obwohl links und rechts nur felsige Landschaft war, staunten wir doch nicht schlecht, wieviel Menschen sich hier ein zu Hause geschaffen haben und von der Schafzucht und vom Fischen leben. Nachdem wir die Insel Harris wieder verlassen hatten, war noch ein Abstecher zu den Callanish Standing Stones eingeplant. Das sind fünftausend Jahre alte Grabstätten der Druiden. Die Anlage hat die Form eines keltischen Kreuzes.
Am Yachthafen in Stornoway wieder angekommen, setzte uns Wolfgang am Hafen ab, um unsere Duschutensilien zu packen und er brachte das Auto zum Verleiher zurück. An unserem Steg waren gerade zwei Hochseeangler mit einer Kiste voller Dorsch angekommen. Einer der beiden Angler sah im Hafen einen Seehund und pfiff nach ihm. Und siehe da, der Seehund tauchte plötzlich an unserem Boot auf, wo ihm der Angler einige Dorsche zuwarf; das ging so weit, dass der Seehund mit den Vorderflossen auf den Steg sprang und dort seinen Fisch bekam. Für Karin und Igel natürlich die Gelegenheit zum Fotografieren; dann gings zum Duschen.
Als wir am Abend den Tag auswerteten waren wir uns immer noch nicht einig, wer denn eigentlich an Kreuzungen Vorfahrt hat - Links oder rechts???

15.06.03
Dieser Tag war von der Strecke her als reiner Segeltag vorgesehen, denn 70 Meilen wollen erst mal gesegelt sein. Nach der Hälfte der Distanz war es dann so weit: der Wind brachte nicht mehr die gewünschten Knoten und so musste der Motor sein Können zeigen. Beim Starten tat er sich zwar immer schwer, denn die Batterie ging ständig in die Knie, aber einmal im Gange, war er nicht mehr zu halten. Ziel war die Bucht Loch Eriboll, die auch um 22.50 Uhr erreicht wurde.
Zur Begrüßung kam uns ein Prachtexemplar von Wal entgegen, dann wurde geankert.

16.06.03
Ruhetag mit kleinen Reparaturen, Angeln und Bergsteigen war angesagt. Nachdem wir gründlich ausgeschlafen und gefrühstückt hatten, wurde der Anker gelichtet und ein "Jagdrevier" ausgesucht. Dann präsentierte Wolfgang erst mal eine Angel, denn wir wollten ja nur max. 4 Fische. In Gedanken an den Abend mit frischem Bratfisch lief uns allen schon das Wasser im Mund zusammen. Wolfgang hatte die Angel "ausgegeben", also durfte er auch als erster sein Glück versuchen. Das Glück war ihm aber an diesem Tag nicht hold, denn nach 1 ½ Stunden gab er es auf und Karin wollte uns die Pfanne füllen. Die Fische wollten auch Karins Köder nicht, also wollte Igel es uns beiden zeigen, wie man Dorsche fängt. In Tiefen von 5 bis 30 m hat Igel versucht, den Fischen den Köder schmackhaft zu machen, aber am Ende war der Haken immer leer. Also zurück zum Ankerplatz.
Schon auf der Fahrt zum "Jagdrevier" umkreisten uns die Delphine und Wale wie verrückt. Karin und Igel haben immer wieder fotografiert, wenn die "Tierchen" neben uns her schwammen, oder unter das Boot tauchten. Auch auf der Fahrt zu unserem Ankerplatz waren sie wieder neben uns. Am Ankerplatz angekommen, wurde erst mal Kaffee getrunken; auf diesen Augenblick haben wir uns jeden Tag aufs Neue gefreut. Dann wurde das Schlauchboot klar gemacht und die Bergsteigerstiefel geschnürt. Karin blieb auf dem Boot, um sich dem seltenen Sonnenbad hinzugeben. Wolfgang und Igel fuhren mit dem Schlauchboot an Land und machten sich daran, den 284 m hohen Berg zu erklimmen. Es ging ziemlich steil nach oben und unter dem Gras, Moos und Heidekraut war es immer feucht und so manches mal rutschten sie aus, was den Aufstieg beschwerte. Igel hat dann noch zu dem "englischen und schottischen Pfund" ein "deutsches" gelegt. Oben angekommen hatten die beiden einen herrlichen Blick auf den Fjord und unseren Ankerplatz. Nach der Foto-Session legten sie sich in den Windschatten hinter einen Felsen und genossen die Sonne. Den Abstieg gingen sie ganz gemächlich an und erfreuten sich immer wieder an der schönen Aussicht.

17.06.03
Nach dem Frühstück gings ab nach Scrabster (kurz vor Thurso). Das Wetter schien auf den ersten Blick mit zu spielen, denn wir hatten ja Karin irgendwann Sommerwetter versprochen, aber es schien eben nur so. Die ersten zwei Stunden wurden motort, dann frischte der Wind etwas auf und die Segel wurden gesetzt. Die Freude währte aber nicht lange, denn es reichte nicht mehr für unsere vorausgesetzten 4 Knoten und fing auch an zu regnen. Um 14.50 Uhr waren die 43 Meilen abgesegelt bzw. motort und Scrabster war erreicht.
Ein reiner Fischereihafen, den wir so schnell wie möglich wieder verlassen wollten. Die Innenstadt, ca. eine ¾ Stunde Fußmarsch entfernt, bot auch nichts Aufregendes. Wir erledigten nur unsere Einkäufe und machten uns wieder auf den Weg zum Boot, wo wir uns neben einer belgischen Crew festgemacht hatten.

18.06.03
Diesen Tag werden wir so schnell nicht vergessen, denn er zeigte mal wieder, dass man dem Meer einen höllischen Respekt zollen sollte, was nichts mit Angst zu tun hat. Der Morgen fing schon hektisch an. Der Skipper der belgischen Crew machte uns darauf aufmerksam, dass er um 8.00 Uhr ablegen wollte. Da wir um 7.00 Uhr ablegen wollten, gab es ja eigentlich keine Probleme. Als wir noch unsere letzte Tasse Kaffee trinken wollten, genüsslich mit einer süßen Stulle, klopfte es plötzlich an der Bordwand und der Belgier wollte ablegen, obwohl es erst 7.00 Uhr war. Als wir ihn darauf aufmerksam machten, dass 8.00 Uhr abgemacht war, entschuldigte er sich verlegen, dass er die Zeitverschiebung nicht berechnet hatte. Also wurde aus der letzten Tasse Kaffee und Stulle nichts und wir legten ungewohnt hektisch ab.
Der Wetterbericht versprach 3 bis 4 Windstärken, zunehmend 7. Zunächst segelten wir mit vollem Groß und 18 qm Fock und die Fahrt ging flott voran. Es dauerte aber nicht lange, da merkten wir schon, dass der Wind auffrischte und zogen 1 Reff ins Groß. Wir mussten bis 10.00 Uhr das Seegebiet Pentland Firth erreichen, da zu dieser Zeit in diesem Gebiet Hochwasser war und die Strömung am geringsten ist, denn bei Flut solll dort eine Strömung bis zu 8 Knoten herrschen. Als wir pünktlich dieses Seegebiet erreichten und die Strömung am geringsten sein sollte, mussten wir doch schon vorhalten, um an der Insel vorbei zu kommen.
Der Wind frischte noch mehr auf und ein 2. Reff wurde eingezogen. Es dauerte nicht mehr lange und wir nahmen auch noch die zweite Fock weg. Wir wollten erst die 18 qm Fock durch die Sturmfock ersetzen, haben es dann zum Glück nicht getan, denn es frischte immer mehr auf und die Wellenberge wurden immer höher. Das Schlauchboot, das wir hinterher zogen, überschlug sich laufend und wir hatten Sorge, dass es Schaden nehmen könnte. Wolfgang band es deshalb auf die Leeseite. Beim nächsten Überschlag schlug es den Rettungsring samt Halterung ab und bevor wir es bemerkten, waren 250 m Leine mit dem Rettungsring von der Rolle gespult. Durch die Fahrt des Bootes wurde der Rettungsring unter Wasser hinterher gezogen. Trotz dieser erheblichen Bremse blieb die Geschwindigkeit die gleiche. Wolfgang hatte Mühe, die abgerollte Leine mit dem Rettungsring die 1½ m auf die Spi-Winsch zu ziehen und die nächste ¾ Stunde mittels Winsch den Rettungsring ins Boot zu holen. Erst die letzten 20 m tauchte der Rettungsring auf; Wolfgang hatte Schwerstarbeit geleistet.
Wir nahmen Position: 2° 39' N, 58° 51' W und waren dabei die Insel (Steinhaufen) Copinsay zu umsegeln. Das Seegebiet ist mit Wellen in der Seekarte gekennzeichnet, d.h. starke Wellenbildung. Wir sollten es zu spüren bekommen. Inzwischen waren Wind und Wellen so stark (in Böen 10 Beaufort), dass die Gefahr über Bord geschleudert oder gespült zu werden zu groß war um noch ein Reff einzuziehen. Um ein Querschlagen des Bootes zu verhindern, musste die Geschwindigkeit verringert werden. Das Groß wurde dichter geholt bei Raumwind; das barg aber wieder die Gefahr einer Halse. Absolut aufmerksames Steuern war angesagt, was auch eine ganze Weile gut ging. Wahrscheinlich wurde Igel durch eine Welle von ca. 6 bis 8 m die Aufmerksamkeit für einen Augenblick genommen und es war passiert. Eine Halse schlug das Segel auf die Backbordseite! Um den Kurs zu halten, fuhren wir das Segel aber auf der Steuerbordseite, also noch eine Halse. Wolfgangs Halsadern schwollen verständlicherweise an, denn in solcher Situation kann das schwere Folgen haben.
Nach einer Stunde hatten wir die Insel endlich passiert und die Wellen waren im "Schutz" der Insel nicht mehr ganz so hoch. Der Wind blies aber nach unserer Schätzung weiter mit 7 Beaufort.
15.30 Uhr liefen wir ziemlich erleichtert im Hafen von Kirkwall ein. Der Hafenmeister brachte uns den Wetterbericht und bestätigte uns die 7 Windstärken und Böen um 10 Beaufort. Wir diskutierten noch eine Weile über das Erlebte und waren am Ende doch der Meinung, dass wir diese schwierige Situation ganz gut gemeistert haben. Noch etwas Erfreuliches gab es nach der ersten Inspektion zu berichten, die Sanitäranlagen im Hafen waren top, was wir in all den anderen schottischen Häfen nicht unbedingt sagen konnten.

19.06.03
Ruhetag stand auf dem Plan: Ausschlafen, Einkaufen, Auto für den nächsten Tag besorgen, Schreiben und Lesen waren für diesen Tag angesagt.

20.06.03
In der Werbung kostete das Auto 25 Pfund ("Renault Clio"), am Ende mussten wir aber 34 Pfund hinlegen. Wenn es ums Geld geht, sind also auch die Schotten erfinderisch! Also ab in den "Clio" und die Insel Mainland abgeklappert. Von Kirkwall ging es zuerst nach Finstown, Dounby und Brough of Birsay, dem nördlichsten Punkt der Insel. Von hier aus über Maes Howe (bedeutendes Steinzeitgrab seiner Art in Westeuropa), Skara Brae (ein einmalig gut erhaltenes Steinzeitdorf, das vor 4000 Jahren verlassen und 1850 durch einen Orkan wieder frei gelegt wurde), Ring of Brodgar (ursprünglich 60 Steine von denen nur noch 27 stehen), Standing Stones of Sterness (Steinkreis) nach Stromness und zurück über Orphir nach Kirkwall.
Von Kirkwall gings zum südlichsten Punkt nach Burwick, wo sich der Eingang oder auch Ausgang zum gefürchteten Pentland Firth befindet. Da sich Wolfgang über Schottland, die Hebriden und die Orkneys sehr gut informiert hatte, wusste er natürlich wo alle Sehenswürdigkeiten zu finden sind. Was für Wolfgang Sehenswürdigkeiten und Kulturstätten sind und in Fotografien festgehalten wurde, waren für Igel, den "Kulturbanausen" oftmals nur Ruinen und alte Klamotten, die sein Interesse nicht gerade geweckt haben. Er war wieder froh, heil im Hafen von Kirkwall angekommen zu sein, denn Wolfgangs rasanter Fahrstil bei Linksverkehr ließ uns so manches mal aufschrecken. Abends wurde noch anhand der Gezeitentafel und des "Mac Millan" die günstigste Abfahrtzeit für den nächsten Tag berechnet, denn wir mussten ja wieder den Pentland Firth auf unserer Rückreise passieren. Man muss schon sehr genau die Strömungen berechnen, um nicht im ungünstigsten Fall mit 8 Knoten Gegenstrom auf die Insel gesetzt zu werden.

21.06.03
11.45 Uhr hieß es ade Kirkwall mit dem Ziel Wick (NE Schottland). Vor dem Hafen von Kirkwall lagen zwei große Kreuzfahrtschiffe, die ständig die Passagiere in kleinen Booten an Land brachten, wo sie in Busse verfrachtet wurden, um zur nächsten Kirche oder "Klamotte" gebracht zu werden. Deshalb mussten wir vor unserer Abfahrt und dem Verproviantieren noch mal umsetzen, was die ganze Angelegenheit etwas komplizierter machte, denn wir lagen im Päckchen hinter Fischerbooten.
Die Strömung war günstig, der Wind gut und wir machten schöne Fahrt. Die Insel Copinsay wollten wir diesmal nicht außen umsegeln, sondern uns zwischen der Insel Copinsay und der Insel Mainland durchmogeln; die in der Seekarte eingezeichnete Rinne war sehr, sehr eng. Auf unserem Kurs schwamm ein Ball von den Fischern, der ausgelegte Körbe oder Netze kennzeichnet. Igel wollte diesen Ball ganz dicht passieren, um einerseits nicht zu dicht in Backbord an den Felsen zu kommen und Steuerbord nicht zu dicht auf das lange Flach. Er fuhr aber doch zu dicht auf diesen Ball, so dass die Netze im Kiel hängen blieben und die Fahrt sehr stark verminderten. Wir rutschten gerade noch drüber weg, aber im nächsten Moment polterte es schon und wir hatten ein Grundstück auf den Orkneys gepachtet!
Wir wendeten sofort und gaben es sicherheitshalber auf, die Rinne nochmals zu suchen. Also zurück und die Insel Copinsay außen umsegelt. Da wir aber gute Fahrt machten, waren wir trotz dieses kleines Missgeschicks rechtzeitig im Seegebiet des Pentland Firth und erreichten Wick ohne weitere Zwischenfälle um 20.30 Uhr. (Wolfgang hätte allerdings zu gerne noch mal einen "Anlauf" auf die Rinne genommen, aber Karin hat kräftig protestiert und um die Urlaubslaune zu erhalten, hat Wolfgang nachgegeben.)
In Wick mussten wir das erste Mal an einer Kaimauer festmachen und den Tidenhub selbst ausgleichen; es ging aber gut. Igel hatte eine schlaflose Nacht, da sich zwischen unserem Boot und der Kaimauer ein Hummerkäfig befand in dem Hummer allererster Sahne am Leben gehalten wurden. Er hätte am liebsten einen an Bord geholt, aber die Angst, dass uns die "Coast Gard" einholt, war dann doch größer als der Appetit; außerdem hätten wir auf "Antares" auch gar nicht so einen großen Topf gehabt!

22.06.03
In Wick war kein Ruhetag geplant und so ging es am 22.06. gleich weiter; Zielort war Fraserburgh.
Dieser Tag war einer der schlechtesten Tage der ganzen Reise: Regen, Regen, Regen; und der Wind genau von vorne! Fraserburgh war also ohne zu kreuzen nicht zu erreichen, so entschieden wir uns für Buckie, wo wir um 20.15 Uhr im Hafen an einem Segler fest machten.
Der Hafenmeister, wie überall in Schottland, sehr freundlich und hilfsbereit. Die Sanitäranlagen ebenfalls wie fast überall in Schottland sehr bedürftig. Es gab nur eine kalte und eine heiße Dusche sowie eine Toilette, wo die Spülung defekt war. Die Stadt selbst aber sauber und im typisch englischen Stil.

23.06.03
Nachdem wir uns über das voraussichtliche Wetter informiert hatten, sollte es wieder in Richtung Fraserburgh gehen; um 10.30 Uhr legten wir ab. Unterwegs aber kippten wir wieder unseren Plan und entschlossen uns Peterhead anzulaufen, um ein Stückchen näher an Aberdeen zu kommen. (Außerdem bot die Seeseite keinen schönen Anblick - nur Industrie, so weit das Auge reichte.)
Das Wetter und der Wind meinten es gut mit uns und so liefen wir 18.45 Uhr im Hafen von Peterhead ein.
Hier stimmte eigentlich alles! Der Hafenmeister empfing uns freundlich am durch Funk zugewiesenen Steg, Hafen und Umfeld sauber und gepflegt. Eine "Spar"-Filiale, die "around the clock" geöffnet hat, kam uns auch zu Gute.
Hier in Peterhead schloss sich eigentlich für uns der Kreis "around Scotland". Aberdeen war der letzte Hafen, den wir anlaufen wollten, um Karin in den Flieger zu setzen. Dafür wollten wir uns noch etwas Zeit nehmen und verließen Peterhead am nächsten Morgen schon wieder.

24.06.03
Nach ausgedehntem Frühstück sagten wir auch Peterhead um 10.15 Uhr ade. Bei den guten Hafenbedingungen packten wir das Schlauchboot wieder zusammen; es hatte gute Dienste getan. (Und gut so, denn in Aberdeen lagen wir wie in einer Ölsardinenbüchse.)
Anfangs segelten wir noch mit einem Reff im Groß, aber nach etwa 1 Stunde wurde ausgerefft, die Selbststeueranlage in Betrieb genommen und bei Sonnenschein ließen wir es uns gut gehen, bis etwa 4 Meilen vor Aberdeen der Wind total einschlief. Wir bargen die Segel und als wir fertig waren, frischte der Wind wieder auf, aber aus einer anderen Richtung, genau gegen unseren Heimfahrtswind. Wenn die Wettervoraussagen stimmten, hätten wir, was den Wind betraf, schlechte Karten. Also hofften wir, dass sich die Voraussagen als falsch erweisen würden. Aber wir hatten ja noch 2 Tage Aberdeen vor uns.
Als wir um 15.30 Uhr in Aberdeen einliefen, meldete sich Wolfgang auf englisch im Hafenkontrollturm an. Das klappte so gut, dass sich Wolfgang vor Freude vornahm, im Herbst den nächsten Englischkurs zu besuchen. Wir wurden in ein Hafenbecken beordert, wo auch schon der Hafenmeister auf uns wartete. Wir waren wohl die ersten in diesem Hafen, denn weit und breit war in dem riesigen Hafen kein einziges Sportboot zu sehen. Das hatte wohl auch seinen Grund, denn es war ein einziger Industriehafen: kein Trinkwasser, keine Toiletten. Der Hafenmeister bot uns aber an, dass wir in seinem "Office" Dusche und Toilette benutzen konnten.
Kaum waren die Formalitäten mit dem Hafenmeister erledigt, war der Zoll ran; das erste Mal auf dieser Reise, aber alles nette Typen. (Wir haben ja auch schon andere Erfahrungen auf unseren Reisen machen müssen...)
Danach wurde die Stadt inspiziert, denn wir hatten gehört, dass sie sehr schön sein soll, was wir dann auch bestätigen konnten. In einem Pub wurde das Abendmahl eingenommen.

25.06.03
Wolfgang und Karin gingen zur Touristinformation, um sich ein Auto für eine Castle-Tour zu mieten. Sie wurden von der Touristinformation vom Autovermieter abgeholt und bekamen einen schicken "Ford Focus" (niegelnagelneu). Endziel der Castle-Tour sollte das 80 km westlich von Aberdeen gelegene Balmoral Castle sein, wo sich die königliche Familie den Sommer über aufhält. Für Igel, den "Kulturmuffel" war das natürlich nicht so interessant und so blieb er auf dem Boot um zu schlafen und seinen Schreibkram zu erledigen (z.B. diesen herrlichen Reisebericht). Am Nachmittag wollte er ins Marinemuseum gehen. Da aber seit vielen Tagen erstmals den ganzen Tag die Sonne schien, hat er aufs Museum verzichtet und sich den ganzen Tag in der Sonne geaalt.
Wolfgang und Karin konnten den "Royals" zwar nicht die Hand schütteln, waren aber trotzdem zufrieden von ihrer Tour zurückgekehrt. Entlang des Dee fuhren sie bis Braemar, bekannt wegen des Royal Highland Gathering. Alle Castles haben sie natürlich nicht von innen angeschaut, denn dann kommt man als armer Mann von solch einer Tour zurück. Einige seien nur genannt: Castle Fraser, Craigievar Castle, Crathes Castle, Dunnottar Castle). Abends wurde dann Karins Abreise und Wolfgangs und Igels Überfahrt vorbereitet.

26.06.03
Nach Ausschlafen und ausgiebigem Frühstück wurde der Vormittag zum Einkaufen für die Überfahrt genutzt und nach einem letzten, gemeinsamen Mittagessen machten wir uns auf die Socken, um Karin zum Bus zu bringen, der sie zum Flughafen (Dyce) brachte.
Nach dem Abschied drehten Igel und Wolfgang sich auf dem Hacken um und ab zu "Antares", um die letzten kleinen Vorbereitungen für die Überfahrt zu erledigen.
16.30 Uhr meldete Wolfgang wieder das Auslaufen im perfekten Englisch beim Hafenkontrollturm an. Da wir Wind und Regen immer zur Genüge hatten, waren Igel und Wolfgang der Meinung, dass der Dieselvorrat , der nach Messung für 20 Stunden reichte, für die Überfahrt nach Helgoland genug sei, was sich jedoch als großer Fehler herausstellen sollte.
Als erstes hatten wir SW-Wind, also aus der Richtung, wo wir hin wollten. So entschlossen wir uns, erst einmal die Küste hoch am Wind runter zu segeln. Bei Windstärke 4 bis 5 kein Vergnügen, selbst Wolfgang verlegte seinen Schlafplatz in den Salon auf die Leekoje. Wir hatten wieder unseren 2-Stunden-Rhythmus aufgenommen. Der Wind ließ nach, so dass wir in Höhe Edinburgh am nächsten Morgen anfingen zu motoren, aber in Richtung SW, denn der Wetterbericht sprach von zwei Tiefs im englischen Kanal und der südlichen Nordsee. Also hofften wir auf "unseren" Wind und motorten und motorten 12 Stunden lang und der Diesel wurde weniger und weniger.
Dann kam die Nacht , früher als sonst, denn der Himmel war schwarz aber kein Wind. Igel hatte die 1. Wache von 22.00 Uhr bis 0.00 Uhr.

27.06.03
Es fing an zu regnen und ein paar Lüftchen ließen hoffen. Von der Pinne aus konnte Igel den Kompass nicht mehr sehen, so dass er jedesmal die Pinne loslassen musste, wenn er einen Schritt nach vorn machte, um den Kompass mit Hilfe einer Taschenlampe einzusehen. Da war den Kurs halten schlecht möglich. (Ein wahrer Mangel von "Antares"!! Jeder ist ja schließlich nicht so groß wie Wolfgang. Und was viel schlimmer ist, ein neuer Kompass liegt mindestens schon 3 Jahre zu Hause im Schrank!!!) Igel ließ so manchen Fluch los, denn es nervte, ständig von der Pinne zum Kompass und umgekehrt; dazu kam Regen, Regen, Regen, kein Wind und deftige Dünung.
Um 0.00 Uhr war aber Gott sei Dank Wolfgang mit der Wache dran. Irgendwann hörte Igel nur: "Scheiße, Schnauze voll, jetzt haue ich mich auch hin". Igel wagte in seinem schlaftrunkenen Zustand auch keine dummen Fragen zu stellen, schaute auf die Uhr, es war 3.30 Uhr, und räkelte sich so langsam wach, denn er war ja um 4.00 Uhr wieder mit der Wache dran. In seinem Dusel hatte er gar nicht mitbekommen, dass er ja eigentlich schon um 2.00 Uhr an der Reihe war.
Später erklärte Wolfgang ihm, dass er sein Gefluche vorher mitbekommen hatte und er glaubte, dass er es mit der Selbststeueranlage geregelt hat und Igel deshalb nicht wecken wollte. Igel übernahm also 3.45 Uhr die Wache mit den gleichen Wetterverhältnissen: Regen, Regen, Regen, kein Wind und starke Dünung. Als im Morgengrauen der Kompass wieder halbwegs abzulesen war, wagte er einen Startversuch des Motors, denn meistens mussten sie ihn zu zweit starten (Wolfgang nahm die Kompression heraus und Igel startete), denn die Batterie brach beim Starten immer zusammen und Igel wollte Wolfgang nicht aus seinem wohlverdienten Schlaf reißen. Diesmal aber war der Motor gnädig und sprang an.

28.06.03
6.40 Uhr wurde sehnlichst der Wetterbericht gehört und der versprach eine 4. Sofort hörte oder besser gesagt, sah man, wie es in Wolfgangs Kopf ratterte. Die Hochrechnung war voll im Gange: wenn, wenn, wenn... Also nochmals Diesel messen, denn wir wollten unbedingt in die Nähe der Doggerbank kommen, wo 4 Beaufort herrschten. Nachdem wir Kriegsrat gehalten hatten, entschlossen wir uns bis maximal 18.30 Uhr zu motoren, dann hätten wir noch 5 cm Diesel im Tank, die absolute Reserve für den Hafen.
Wir kamen in die Nähe der Doggerbank, aber wie so oft im Leben: Scheiße am Stock ist auch eine Blume, kein Wind und wieder einmal war die 27. Hochrechnung im Eimer! Was nun? Ohne Diesel und ohne Wind! Die nächste Entfernung Land waren 135 km und das war obendrein noch England, wo wir ja herkamen. Zum Glück hat aber die Doggerbank nur eine Tiefe zwischen 30 und 40 m, also Angel raus.
Die Temperaturen waren bei vollem Sonnenschein sogar so angenehm, dass wir uns trauten Wetterjacke, Steppweste und 2 Pullover auszuziehen. Angesichts der hilflosen Lage ist Wolfgang die Lust aufs Angeln bald vergangen, also übernahm Igel diese Tätigkeit. Nach etwa 20' ein Widerstand und deutliches Zucken an der Angel. Wenn es keine alten Schuhe und Eimer in der Nordsee auf dem Grund gibt, musste es ein Fisch sein. Der Adrenalinspiegel wurde in die Höhe getrieben, denn es dauerte ja eine Weile, bis die 30 bis 40 m Sehne aufgewickelt wurde. Dann der erhebende Augenblick: der Fisch kam an die Oberfläche und siehe da, er war ca. 25 cm lang, aber beide konnten ihn nicht identifizieren. Aber egal, der nächste Fang ist bestimmt ein großer Dorsch, den wir in Gedanken schon filetierten und in der Pfanne mundgerecht zubereitet haben. Leider war auch dieses nur ein Wunschdenken. So übergaben wir den Fang wieder der See, besser gesagt, den Möwen, die sich in der Zwischenzeit bis zu 18 Stück um das Boot aufhielten.
Während wir überlegten, ob wir die Nacht über Ankern oder uns treiben lassen wollten, machte sich ein Lüftchen auf und Wolfgangs Hochrechnung war wieder voll im Gange: wenn, wenn, wenn... Ziel war die ostfriesische Insel Terschelling, denn Helgoland (auch Inselfelsen genannt) war bei dem Wind (2 bis 3) nicht zu erreichen. Wenn Wolfgangs Hochrechnung aufging, könnten wir Terschelling noch mit dem Strom oder zumindest kurz nach dem Hochwasser erreichen.
Da der Himmel wolkenverhangen war, brach die Dunkelheit bald ein und exakte Navigation war gefragt; Wolfgang war in seinem Element! Wir hatten den Tonnenstrich nach Terschelling erreicht und nahmen die Segel herunter, um mit dem letzten Diesel den Hafen anzulaufen. Wir hatten noch ein Problem: wir suchten eine unbeleuchtete Tonne, wo wir nicht gerade drauf brummen wollten. Plötzlich, in etwa 15 m Entfernung, ein großes, dunkles Etwas; es war die Tonne. Wolfgang hat Igel nicht gerade "geknutscht", denn er hatte seine vorangegangene Anweisung über das Anfahren einer anderen Tonne falsch verstanden und wir hätten diese bald doch noch getroffen. Beim Anlaufen der Tonne stellten wir aber fest, dass der Strom schon gehörig gegen uns war und wir mit unserer geringen Menge Diesel Schwierigkeiten bekommen hätten die 2 sm zu schaffen. Also entschlossen wir uns kurzerhand aus dem Tonnenweg zu fahren und zu ankern, denn mittlerweile war es 1.30 Uhr. Das zweite Bein war noch nicht ganz im Bett, da war Ruhe im Schiff.

29./30.06.03
6.00 Uhr war die Nacht vorbei: Wolfgang eine Hand voll Wasser ins Gesicht und Igel die obligatorische "Handtuchwäsche" und wir waren wieder top fit. Ab nach Terschelling zum Duschen, Frühstücken und Tanken waren unsere Wunschvorstellungen. Als wir in die Fahrrinne nach Terschelling einfuhren, die einige "Ecken und Kanten" hat, war uns noch nicht klar, dass es doch die richtige Entscheidung war, die Nacht vorher vor Anker zu gehen.
In Terschelling angekommen, suchten wir erstmal die Tankstelle, aber es war keine zu finden. Als wir dann nach der zweiten Ehrenrunde glaubten, wir hätten sie gefunden, legten wir an und wurden sofort über Lautsprecher "voll gelutscht", dass wir dort nicht liegen dürfen. Unsere Tankstelle war eine Fäkalien-Abpumpstation!
Schon leicht genervt durch den wenigen Schlaf der letzten Tage entschlossen wir uns, wieder über das Wattenmeer auszulaufen. Den Dieselvorrat trauten wir uns schon gar nicht mehr zu messen.
Nun waren Wolfgangs navigatorischen Kenntnisse gefragt, was er wie immer bravourös löste. So konnten wir bei gutem Wind das Wattenmeer verlassen und Richtung Borkum segeln, um dann Kurs auf den Inselfelsen zu nehmen. Als Borkum so langsam außer Sicht kam, wurde es auch dunkel und wir begannen wieder unseren 2-Stunden-Rhythmus. Es wurde eine sehr unruhige und stressige Nacht, denn der Schiffsverkehr ist in dieser Region doch sehr rege und so musste Igel mehrmals die Selbststeueranlage rausnehmen und abfallen, um mit den Ozeanriesen und den Fischereifahrzeugen nicht ins Gehege zu kommen.
Der Leuchtturm von Helgoland war schon viele Meilen vorher zu sehen und so erreichten wir um 7.30 Uhr Helgoland.

01.07.03
Als wir ca. 800 m vor Helgoland die Hafeneinfahrt anfahren wollten, kam plötzlich ein Fischer mit seinem Boot und vollem Speed auf uns zugefahren und machte durch Handzeichen klar, dass wir dieses Gebiet sofort verlassen sollten. Wolfgang und ich dachten sofort an Unterwasserfelsen, mit denen wir schon vor einigen Jahren schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Wir änderten sofort unseren Kurs, aber der Fischer kam wieder brüllend auf uns zu, ob wir keine Seekarten dabei hätten, denn dieses Gebiet ist Naturschutzgebiet und er gab zu verstehen, dass wir den Tonnenstrich anfahren müssten. Als wir daraufhin die Seekarte nochmals genauer unter die Lupe nahmen, sahen wir unseren Fehler und mussten feststellen, dass wir die ganzen Jahre vorher schon immer Helgoland falsch angefahren hatten!
Zu allem Überfluss haben wir auch noch den Anlegehafen verpasst und sind zum Privathafen der Helgoländer gefahren, was uns zusätzlich 500 m motoren kostete. Nun fieberten wir der Tankstelle entgegen, denn der Motor konnte uns jeden Moment verlassen, aber es ging alles gut. So haben wir dann 180 Liter Diesel getankt. 185 Liter gehen in den Kiel und der Kiel war noch nicht ganz voll; ein Zeichen, dass wir also tatsächlich mit dem letzten Tropfen nach Helgoland gekommen sind. Während Wolfgang getankt hat, bin ich zum "Konsum" und habe seit Wochen mal wieder die ersten, frischen Brötchen geholt. Nach dem Umsetzten in den Yachthafen , wo wir sogar eine Liegestelle bekamen, war erst mal richtig Frühstücken angesagt.
Danach kam der nächste Höhepunkt, nämlich Duschen, denn die letzten fünf Tage war Handtuchwäsche unsere Dusche! Zu DM-Zeiten kostete die Dusche 3,- DM, jetzt 3,- €. Wir hätten aber auch 5,- € bezahlt, so sehr sehnten wir uns danach.
Der obligatorische Rundgang über das Ober- und Unterland der Insel ist natürlich ein Muss, wenn man dort ist und wird auch nicht langweilig, auch wenn man schon des öfteren auf Helgoland war. Am Ende des Rundgangs war natürlich shoppen auf dem Plan. Ein bisschen Obst für die Fahrt nach Hause und Alkohol für die "guten Geister", die zu Hause Haus und Hof betreut haben. Obwohl Mitbringsel eigentlich immer aus dem entsprechenden Urlaubsland sein sollten, haben wir uns in Schottland verkniffen "Scotch Whisky" zu kaufen, denn der ist dreimal so teuer wie bei uns zu Hause. Und der Flasche sieht man es nicht an, woher sie kommt...
Nach den Berechnungen mussten wir Helgoland ca. 15.30 Uhr verlassen, um mit dem Hochwasser in Cuxhaven anzukommen. Ein gutes Gefühl beflügelte uns, als wir die Insel verließen und den Kiel voller Diesel hatten. Es dauerte auch nicht lange und der Motor war wieder gefragt, denn der Wind ließ uns wieder mal im Stich. Nach ca. 1½ Stunden motoren setzten wir wieder Segel, querten den Schifffahrtszwangsweg und segelten Cuxhaven an.
In der Zwischenzeit war es dunkel geworden und wir orientierten uns nur noch an den Steuerbordtonnen, wo wir immer am äußeren Rand des Tonnenstrichs entlang segelten. Der Strom war mit uns und so machten wir gute Fahrt. Der Himmel hatte sich inzwischen total zugezogen und ich hatte Mühe, ohne Brille die Lichter zu erkennen und einzuordnen. Mit Hilfe des GPS machten wir alle 15' Standortbestimmung und so konnte Wolfgang mir anhand der Seekarte immer sagen, wo welche Tonne dichter kommen müsste. Ca. 1 bis 2 sm vor Cuxhaven war es in dem Lichtermeer der Stadt sehr schwer, "unsere" Tonnen zu sichten und der Wind wurde plötzlich immer stärker. Während wir krampfhaft die Tonne suchten, brach plötzlich ein Wolkenbruch über uns zusammen. Wolfgang ging sofort nach vorn und hatte alle Mühe, die Segel herunter zu holen. Seine Bootsschuhe wurden dabei zu Badelatschen, denn er hatte vergessen, sich die Stiefel anzuziehen. Der Regen prasselte unvermindert auf uns beide nieder, jede schottische Dusche war dagegen nur ein Eintopf. Wir hatten nur eine Sorge: bloß nicht auflaufen! Plötzlich sahen wir doch noch eine grüne Tonne, an der wir uns orientierten. Da Wolfgang die Hafeneinfahrt noch in Erinnerung hatte, haben wir sie doch noch verhältnismäßig schnell gefunden und haben um 2.00 Uhr im Cuxhavener Yachtclub angelegt.

02./03.07.03
Der Regen hatte aber immer noch nicht nachgelassen und so zogen wir das Wetterzeug schnell aus, ließen es gleich in der Plicht liegen und konnten halbwegs trocken in der Kajüte verschwinden.
Am Morgen gings als erstes zum Hafenmeister zum Anmelden. Als wir sagten, dass wir um 2.00 Uhr eingelaufen sind und gleich nach dem Einkaufen wieder verschwinden wollen, fing er an zu rechnen und meinte, sie wären jetzt 6 Stunden im Hafen und ab da an muss man bezahlen. Daraufhin wir beide: "Es kann auch 3.00 Uhr gewesen sein".
Die Antwort des Hafenmeisters war dann, dass wir noch eine Stunde einkaufen könnten und bräuchten deshalb nicht zu bezahlen. Es gibt also doch noch Hafenmeister, die sich wie Menschen verhalten.
Eigentlich war, wie schon so oft, Wind versprochen und Wolfgang und ich wollten nochmal eine richtige, schöne Segeltour nach Hamburg machen. Aber Wollen und Können sind ja bekanntlich zweierlei Dinge. Am Ende war wieder mal kein Wind, also wurde es eine Motorbootfahrt.
Im Hamburger Stadthafen war schon ein bisschen Aufregung, denn in der Nacht sollte der Gewinner der DaimlerChrysler North Atlantic Challenge (DCNAC) einlaufen.
Der Mast wurde gelegt und "Antares" wurde für die Kanalfahrt fertig gemacht. Nachdem die Arbeit getan war, genehmigten wir uns noch ein wohl verdientes Bierchen.

04.07.03
Um 5.30 Uhr war Wecken. Kurz duschen und ab gings nach Geesthacht; gefrühstückt wurde unterwegs.
In Geesthacht wurden wir problemlos geschleust und auch die Zollgrenze kurz hinter Hamburg wurde ohne Zwischenfall passiert, so dass der Alkohol wieder aus den Verstecken geholt werden konnte. Nach Geesthacht übernahm ich die Pinne und Wolfgang konnte sich noch ein bisschen aufs Ohr legen.
Da ich vom Vorjahr noch wusste, dass die Einmündung in den Mittelland-Kanal hinter Lauenburg lag, machte ich mir keine große "Platte" und fuhr erstmal bis Lauenburg. Ich hatte allerdings in meinem Dusel nicht daran gedacht, dass wir im Vorjahr von Lübeck kamen, also genau aus der entgegengesetzten Richtung.
Die Einmündung zum Mittelland-Kanal lag also vor Lauenburg und nicht dahinter. Als Wolfgang aus seinem Schläfchen erwachte, waren wir schon eine ¼ Stunde am Mittelland-Kanal vorbei. Zum Glück merkte es Wolfgang sofort und konnte sich natürlich einen deftigen Spruch über meine navigatorischen Kenntnisse nicht verkneifen. Wir fuhren noch bis 23.00 Uhr im Kanal und übernachteten ca. 10 km vor dem Ausgang des Kanals.

05./06.07.03
Morgens um 5.00 Uhr ging die Fahrt weiter bis Zerbenschleuse und am anderen Morgen bis nach Kirchmöser, wo wir um 12.00 Uhr festmachten.